Norbert F. Tofall: Freiheit und Eigentum

25/06/2014 Kommentare deaktiviert für Norbert F. Tofall: Freiheit und Eigentum

Von jeher war „Freiheit und Eigentum“ der Ruf des internationalen Liberalismus. Und seit eh und je stellt diese Verbindung keine Selbstverständlichkeit dar. Der Ruf „Eigentum ist Dieb­stahl“ und die Ansicht, daß privates Eigentum der Feind der Freiheit sei, sind heute im­mer noch beliebt.

Jean-Jacques Rousseau schrieb bereits im 18. Jahrhundert die oft zitierten Worte: „Der erste, welcher ein Stück Landes umzäunte, es sich in den Sinn kommen ließ zu sagen: Dieses ist mein, und einfältige Leute fand, die es ihm glaubten, der war der wahre Stifter der bürger­lichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie­viel Elend und Greuel hätte der dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle her­ausgeris­sen, den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: »Glaubt diesem Betrüger nicht; ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen ge­hören, der Boden aber nieman­dem!«“ Für Rousseau stellt der ursprüngliche Diebstahl von Grund und Boden den Ursprung für die Ungleichheit unter den Menschen dar. Es handelt sich um eine Ungleichheit, die mit der Entwicklung des seßhaften Ackerbaus vor ungefähr 10.000 Jahren, die auch die Erste Wirtschaftliche Revolu­tion genannt wird, entsteht und die auf die Ungleichheit in der Eigentums- oder Vermögens­verteilung abhebt. Wenn nun Eigentum der Feind der Freiheit ist und wenn große Freiheit nur ohne großes Eigentum mög­lich sein sollte, dann bildet diese Ungleichheit zu Recht den bevor­zugten Angriffspunkt auf die Verfassung der bürgerlich-liberalen Gesellschaft.

Mit Blick auf die Neuzeit hebt Harold J. Laski auf der einen Seite die Verdienste des Li­be­ralismus hervor, wenn er ausführt, daß das liberal gesonnene Bürgertum in sei­nem Kampf um die volle Beteiligung an der Staatsgewalt jene überlieferten Schranken durchbrochen hatte, die in allen Bereichen des menschlichen Lebens sichergestellt hatten, daß Privi­legien vom je­weiligen Stand abhängig waren und daß Rechte mit dem Besitz von Land gekop­pelt zu sein hätten. Der Liberalismus sei ein Feind der Privilegien gewesen. Der Liberalismus habe die Freiheit jedes Individuums schützen wollen, und dazu ge­hörte das Recht für jedermann, Ei­gentum zu erwerben und akkumulieren zu dürfen. Auf der an­de­ren Seite kritisiert Laski je­doch, daß die liberale Praxis aufgrund der engen Verknüpfung von Eigen­tum und Freiheit nur den mit Eigentum ausgestatteten Individuen Vorteile gebracht hätte, – heute würde man sa­gen, den Besserverdienenden zum Vorteil gereichte. Obwohl der Liberalismus in direk­ter Be­ziehung zur Freiheit stand, hätte er aufgrund der Eigentumsorientierung in der Praxis keinen univer­sellen Geltungsanspruch entwickeln können. So stand und in der Besserverdie­nen­den-Sichtweise steht das Eigentum der allgemeinen Freiheit, der gleichen Freiheit für alle, im Wege.

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